Dornentöchter
Einen bezaubernden Ehemann, zwei niedliche kleine Töchter und eine außerordentliche Anziehungskraft - man könnte meinen, die Kinderbuchautorin Pearl Tatlow hätte das Glück gepachtet. Dass dem nicht so war, erspürt ihre Enkelin Sadie Jahrzehnte
später beim Einzug in das düstere Haus der Tatlows. Die Journalistin Sadie und ihre halbwüchsige Tochter Betty sind von Sidney nach Tasmanien gezogen, um dort einen Neuanfang zu wagen. Statt Ruhe herrschen indessen beklemmende Gefühle im "Poet's Cottage" (so der englische Originaltitel). Nach und nach werden in Rückblenden entsetzliche Vorfälle enthüllt, die sich um die exzentrische Pearl ranken. Ihr hemmungsloser, bösartiger Charakter brachte vielen Menschen großes Unglück und wirkt sich selbst Jahrzehnte später, nach ihrem gewaltsamen Tod im Keller des Anwesens, auf die noch lebende Familie aus. - Dem gefälligen pastellfarbenen Umschlag zum Trotz verbirgt sich zwischen den zwei Buchdeckeln eine zwar sehr gut formulierte, aber schreckliche Geschichte um eine abscheuliche Frau und Mutter, nämlich Pearl. Erst nach ihrem Tod, etwa im letzten Drittel des Buches, lässt dieser teilweise recht wilde Mix aus Psycho-Krimi, Spukgeschichte, Liebes- und Leidensgeschichte etwas aufatmen. Trotzdem erwarten den Leser weitere schlimme Überraschungen. Sie verfolgen einen noch lange, nachdem man die letzte Seite beendet hat. (Übers.: Julia Walther)
Martina Mattes
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Dornentöchter
Josephine Pennicott
List (2012)
395 S.
fest geb.