Die Frauen der Tafelrunde
Der Drucker William Caxton ist mutig. Obwohl Thomas Malory von König Heinrich (Tudor) zum Tode verurteilt worden ist, verlegt er dessen Buch "Le Morte d'Arthur". Eine geheimnisvolle Dame holt ein frisches Druckexemplar bei ihm ab. Es ist Elayne, die
Jugendfreundin der Königin Elizabeth Woodville (Gattin von Heinrich VI. Lancaster). Die beiden Frauen entzweiten sich, als Malory wohl beiden sein Herz schenkte. Bevor Elizabeth den König heiratete, verbrachte sie viel Zeit mit ihrer Freundin, nicht zuletzt waren die beiden eifrige Leserinnen in den Bibliotheken der Familien. Solche suchte Malory auf, um Spuren der altenglischen Sagen um König Artus, die Tafelrunde oder Perceval zu finden. Trotz Inhaftierung in Newgate schreibt Malory eine neue Fassung, eine Geschichte, in der ein Ritter zwei Frauen begehrt. - Bis auf Elayne sind die meisten Protagonisten historische Persönlichkeiten, die in den Rosenkriegen zwischen den Häusern Tudor und Lancaster eine Rolle spielen. Weite Teile des Romans sind eine Art Literaturdiskussion, wie Chrétien de Troyes seinen Perceval/Parsifal enden lassen wollte; was der Gral sei, den die Ritter suchen. Die Autorin lässt Elayne daran zweifeln, dass die gängige Deutung, er sei der Kelch des letzten Abendmahls, zutrifft. Mit Vorkenntnissen zum Artus-Perceval-Sagenkreis lässt sich deshalb die pralle Schilderung des Lebens am Hofe mit ihren dauernden Intrigen intensiver genießen. (Übers.: Marion Balkenhol)
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Frauen der Tafelrunde
Kylie Fitzpatrick
List (2014)
429 S.
fest geb.