Melvin, mein Hund und die russischen Gurken
Da ist das Wiedersehen mit dem Mädchen von zwei gemeinsamen Sommern an der Fischtheke im Supermarkt, das den Ich-Erzähler so verwirrt, dass er einkauft, was er gar nicht braucht, aber was dennoch gerade das Richtige ist, um das durch das Wiedersehen
hervorgerufene Ungleichgewicht der Seele wieder ins Lot zu bringen. Der hier erstandene Seeteufel ist eigentlich viel zu teuer, und Noah weiß auch gar nichts mit ihm anzufangen, sodass er den toten Fisch einfach von einer Brücke ins Wasser wirft, um ihn los zu werden. So einfach und alltäglich sind viele der Ereignisse, um die es in dieser ergreifenden Sammlung von Erzählungen der jungen Autorin geht. Die ebenso jungen Protagonistinnen und Protagonisten nehmen ihre Gefühle, Träume und Lebenspläne sehr ernst. Sie erleben und erspüren Eltern, Familie, Leben und Tod, oder Freundschaft und Liebe, wie sie ihre Persönlichkeiten prägen und Wege in die Zukunft öffnen oder auch erschweren. Dazu gehört zum Beispiel auch das Abschiednehmen von Opa, dessen Begräbnis gerade ansteht. Der Tote gehört nicht zu den Zombies der Computerspiele, die Hendrik reihenweise abschießt, aber er verfolgt ihn bis in seine Träume, solange der Jugendliche nicht in der Lage ist, seine widersprüchlichen Gefühle zu dem in letzter Zeit demenzkranken Großvater zu klären und ihm das zurückzugeben, was dem alten Mann zusteht und gehört. Zart und gar nicht aufdringlich, mit keinerlei Bewertung lässt die Autorin die Erlebnisse und Taten der Menschen in ihren Geschichten entstehen, was den Leserinnen und Lesern erlaubt, die Situationen nachzuvollziehen, mitzuerleben, aber auch einen gewissen Abstand zu halten. Eine wunderschöne Lektüre für Momente, die man gerne mit anderen teilen möchte.
Lili Aignesberger
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Melvin, mein Hund und die russischen Gurken
Marlene Röder
Ravensburger Buchverl. (2011)
125 S.
fest geb.