Über uns Stille
Was wäre geschehen, wenn die Lage zwischen den damaligen Supermächten USA und UdSSR in der Kubakrise tatsächlich eskaliert wäre? Scotts Vater ist so besorgt über die dramatischen Ereignisse des Jahres 1962, dass er trotz des nachbarlichen Spotts
einen Atombunker in seinen Garten bauen lässt. Doch als dann tatsächlich der Ernstfall eintritt, erzwingen sich einige der Nachbarn mit Gewalt Einlass in den nur für vier Menschen konzipierten Raum. Viele Tage lang müssen die zehn Überlebenden in klaustrophobischer Enge ausharren, während die knappen Nahrungsreserven viel zu schnell zur Neige gehen und die hygienischen Verhältnisse immer dramatischere Formen annehmen. Der Autor erzählt aus der Perspektive des 12-jährigen Scott, den wie alle anderen die zermürbende Frage quält, ob sie je wieder aus dem Bunker herauskommen und was die gespenstische Stille über ihrem Zufluchtsort und das Ausbleiben jeglicher Radiosendung zu bedeuten haben. Was Scott allerdings noch mehr ängstigt, sind die zunehmenden Spannungen zwischen den Erwachsenen, die schließlich zu eskalieren drohen. - Der bekannte Jugendbuchautor zeigt in seinem neuen Buch auf sehr beeindruckende Weise, wie schnell die zivilisatorischen Grundlagen menschlichen Zusammenlebens in existentiellen Extremsituationen bedroht sind. Und das endlich einmal nicht in Form der im Jugendbuch zur Zeit so gängigen Dystopie, sondern in der glaubwürdigen Schilderung eines realen politischen Konflikts, der durchaus auch das von Rhue erfundene dramatische Ende hätte nehmen können. Geschickt benutzt der Autor einen zweiten, parallel zur Bunkererzählung verlaufenden Handlungsstrang, um seinen jungen Lesern die historischen Zusammenhänge zu erklären und die Ängste der Menschen vor dem atomaren Wettrüsten der 60er Jahre nachvollziehbar zu machen. Gut erzählt und unbedingt empfohlen. (Übers.: Katarina Ganslandt)
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Über uns Stille
Morton Rhue
Ravensburger Buchverl. (2012)
239 S. : Ill.
fest geb.