Der Duft des Lindenbaums
Zehn Jahre nach dem Ende des Bosnienkrieges kommt ein Student mit seinem Professor in seine alte Heimat Sarajewo, um als Übersetzer eine Konferenz vorzubereiten. Bei einem seiner ersten Streifzüge findet er die Gedenktafel für ein getötetes Mädchen
und entdeckt in ihr eine vergessene Kindheitsfreundin. Er knüpft Kontakt zur Mutter, erhält von ihr Ninas Tagebuch und taucht so tief ein in Kindheits- und Kriegserinnerungen. - Laut Nachwort ist die Rahmenhandlung fiktiv, das Tagebuch über fünf Monate kurz vor Kriegsende jedoch authentisch. Dies lässt die Notizen des Mädchens umso intensiver erscheinen. Die zwölfjährige Nina ist begeisterte Tänzerin, streitbare Tierfreundin und in Dino verliebt! Der Alltag wird durch den Krieg stark eingeschränkt, aber die Menschen lassen sich ihre innere Freiheit und Würde nicht nehmen, u.v.a. die Kinder verteidigen ein Stück Unbeschwertheit trotz aller Gefahr. In der Rahmenhandlung erzählt und reflektiert der Erzähler die Spätfolgen und offenen Wunden des Krieges. - Ab mittleren Beständen eine gleichermaßen berührende wie bedrückende Lektüre.
Astrid Frey
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Duft des Lindenbaums
Peter Münch
Ravensburger Buchverl. (2012)
200 S.
kt.