Ist die Kirche noch zu retten?
"Die katholische Kirche ist ernsthaft krank", schreibt Hans Küng, "sie leidet unter dem römischen Herrschaftssystem." Dieses System zeichne sich aus durch ein Macht- und Wahrheitsmonopol, Klerikalismus sowie Sexual- und Frauenfeindschaft. Die gegenwärtige
Krise lasse sich daher nur überwinden, so Küng, wenn das römische System grundlegend reformiert werde. Seine Diagnose untermauert er mit einem Schnelldurchgang durch die Kirchengeschichte. Dabei löst er historische Ereignisse aus dem Kontext und stellt vor allem die Papstgeschichte als Geschichte eines großen Irrtums dar, durch den sich die Kirche weit von dem entfernt habe, was Jesus eigentlich wollte. Damit macht er jedoch den gleichen Fehler, den er der Papstkirche immer vorhält: Er wird ideologisch. Im Anschluss an diesen Rückblick schlägt er Therapiemaßnahmen vor, die die Kirche wieder heilen sollen: eine Neuausrichtung des Papstamtes, weniger Zentralismus und mehr Dialog, greifbare Fortschritte in der Ökumene, mehr Rechte für Frauen usw. - Diagnose und Therapievorschläge hat man von Küng schon oft gehört. Das heißt einerseits, dass sich in den letzten Jahren nur wenig geändert hat, und andererseits, dass Küng auf bestimmte Vorstellungen fixiert ist und keine neuen Ideen entwickelt hat. Was in seinem Buch völlig fehlt, ist eine Reflexion der "Gotteskrise" (Johann B. Metz), die die tiefere Ursache der Kirchenkrise ist. Viele Katholiken werden seine Analyse der Krise teilen, andere werden sie als ungerecht und einseitig papstfixiert empfinden. Eine lebendige Kirche muss sich auch Kritik gefallen lassen, sie ist für Wachstum und Weiterentwicklung in jeder Organisation notwendig. Deshalb ist es kein Fehler, wenn auch kirchenkritische Bücher in KÖBs stehen. Ob es allerdings ausgerechnet dieses Buch sein muss, das nicht wirklich etwas Neues zu bieten hat, sei dahingestellt.
Christoph Holzapfel
rezensiert für den Borromäusverein.
Ist die Kirche noch zu retten?
Hans Küng
Piper (2011)
261 S.
fest geb.