Lebenslang Lebensborn
Der Lebensborn e.V. war ein Projekt Heinrich Himmlers. Er sollte zur Anhebung der Geburtenrate beitragen und den Nachwuchs an "arischen Kindern" auf der Basis der nationalsozialistischen Rassenideologie sichern. Der Lebensborn ermöglichte deshalb
die anonyme Geburt und sorgte außerdem durch Selektion und Verschleppung von Kindern aus den besetzten Gebieten für "rassisch" erwünschten Nachwuchs. Er unterhielt dazu ein ganzes Netz von Entbindungs- und Kinderheimen. Die Kinder aus den Lebensborn-Kinderheimen wurden häufig unter Vertuschung ihrer wahren Identität an regimetreue Paare als Pflegekinder oder zur Adoption vermittelt. Die Ungewissheit über die eigene Herkunft, das Gefühl des Unerwünschtseins, Traumatisierungen durch die Heimaufenthalte als Kleinkind und tiefe Schuldgefühle prägen die Biografien vieler "Lebensborn-Kinder" bis heute. Erst im letzten Jahrzehnt haben viele begonnen, mit der Hilfe von Historikern und unterstützt durch Selbsthilfegruppen ihrer wahren Herkunft nachzuforschen. Schmitz-Köster hat viele Betroffene über Jahre hinweg begleitet, was letztlich zu diesem Buch geführt hat, in dem sie den komplizierten Lebensweg von 20 Menschen nachzeichnet, die sich mutig ihrer eigenen Geschichte stellen. Ergänzt wird jede Biografie durch ein ausdruckstarkes Porträtfoto. Für historisch interessierte Leser empfehlenswert.
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Lebenslang Lebensborn
Dorothee Schmitz-Köster ; Tristan Vankann
Piper (2012)
383 S. : zahlr. Ill.
fest geb.