Freigekauft
Unter konspirativen Bedingungen hat während des Kalten Kriegs der systematische "Freikauf" von politischen Gefangenen aus der DDR stattgefunden. Über verschlungene Wege zahlte die Bundesrepublik bar oder in seltenen Waren für die Entlassung von
Häftlingen aus der Staatsbürgerschaft der DDR und ihre Abschiebung in die Bundesrepublik. Beteiligt waren daran westdeutsche Ministerien, die Kirchen und die Geheimdienste. Auf DDR-Seite war der Rechtsanwalt Wolfgang Vogel der "Geschäftspartner", im Hintergrund führte die Staatssicherheit Regie und das Imperium der "Kommerziellen Koordinierung" unter der Leitung von Alexander Schalck-Golodkowski schöpfte die Gewinne ab. Dieser Band zeichnet minutiös die Geschichte des "Menschenhandels" zwischen beiden deutschen Staaten nach, ohne die Schattenseiten zu verschweigen. Es kam zu finanziellen Unregelmäßigkeiten; seitens der DDR wurden wohl auch Kriminelle auf dem Wege des "Freikaufs" abgeschoben und immer stand die ethische Frage im Raum, ob und wie viel für ein Menschenleben gezahlt werden darf. - Die dargestellten erschütternden Einzelschicksale lassen die Geschichte der deutsch-deutschen Teilung lebendig werden. Auch für Schulbibliotheken empfehlenswert.
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Freigekauft
Autoren: Andreas H. Apelt ; Ralf Georg Reuth ; Hans-Wilhelm Saure
Piper (2012)
205 S. : zahlr. Ill. (überw. farb.)
fest geb.