Der Erste Weltkrieg
Die Historikerin Brigitte Hamann will mit diesem reich bebilderten Band (erstmals 2004: BP 04/1081) "aus zeitgenössischen Bildern und privaten Texten diese wichtigen vier Jahre aus dem Alltag der Menschen heraus vorstellbar machen". Dabei greift sie
auf das Kriegstagebuch und die Feldpostbriefe ihres Schwiegervaters zurück und ergänzt diese Aussagen durch eine Vielzahl verschiedenster Plakate und Postkarten, Auszüge aus privater Korrespondenz, Fotografien, Grafiken sowie Karikaturen. Diese ganz andere Sicht auf den Ersten Weltkrieg verliert sich nicht in der Aufzählung historischer Fakten, vielmehr fungieren die Soldaten an den Fronten und in den Lazaretten sowie die Menschen zuhause an der sog. "Heimatfront" als Zeugen des mörderischen Geschehens. Überschäumende Kriegsbegeisterung, Siegesgewissheit, verlogene Propaganda, lähmende Resignation, Hunger und Krankheit, Verarmung und Hoffnungslosigkeit kennzeichnen diese Jahre, die zum Ende jahrhundertealter Monarchien, gesellschaftlicher Traditionen und moralischer Wertvorstellungen führten. Die von der Autorin zu jedem Thema erarbeiteten Texte erleichtern dem Leser das Verständnis für die historische Realität, verweisen aber auch immer auf die Gefühle der betroffenen Menschen, ihren Patriotismus, ihre schwindenden Illusionen und ihr traumatisiertes Erwachen. - Ein außergewöhnliches Buch, das in keiner Bücherei fehlen sollte.
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Erste Weltkrieg
Brigitte Hamann
Piper (2014)
191 S. : überw. Ill. (überw. farb.), Kt.
fest geb.