Das Weinen der Vögel
Als Chinonso gerade mit einer Ladung Hühner vom Markt nach Hause fährt, sieht er eine Frau auf einer Brücke, die im Begriff ist hinunterzuspringen. Er rettet Ndali. Daraus entwickelt sich ihre große Liebe. Doch sie stammen aus sehr unterschiedlichen
gesellschaftlichen Sphären: Er lebt als Hühnerzüchter ohne Ausbildung zusammen mit seinen Tieren, sie stammt aus einer der bedeutendsten Familien Nigerias. Der Besuch bei ihren Eltern endet mit einer Demütigung. Da beschließt er, sein Studium nachzuholen. Diese Entscheidung besiegelt seinen Niedergang: Ein Freund hat ihm erzählt, in Zypern könne man innerhalb dreier Jahre einen Abschluss machen. So verkauft er Grundstück und Hühner und schickt das Geld an Jamike. Doch in Zypern ist der Freund nicht erreichbar. - Der zweite Roman des nigerianischen Schriftstellers Chigozie Obioma lässt die Leser in die Kosmologie des Volkes der Igbo eintauchen. Erzählt wird die Geschichte von Chinonsos Schutzgeist Chi, der beim himmlischen Gericht um Vergebung für seinen Schützling bittet. Dadurch wird etwas Komik in die äußerst tragischen Zustände eingestreut. - Die großartige Parabel über die Verwandlung von Rachegelüsten in die Bereitschaft zur Versöhnung kann allen Büchereien empfohlen werden.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Weinen der Vögel
Chigozie Obioma ; Übersetzung aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner
Piper (2019)
509 Seiten
fest geb.