Gebrauchsanweisung für Kroatien
Verständlicherweise behandelt die in Waiblingen geborene Kroatin den mediterranen Teil ihrer Herkunfts- und Sommerurlaubsregion verstärkt. Man spürt in jedem Kapitel ihre Faszination von dem kargen, felsigen Küstenstreifen an der Adria. Dieses
leichte Ungleichgewicht zulasten des östlichen Landesteils Slawonien kommt natürlich dem typischen Kroatienurlauber entgegen, verbringt er doch meist seine Zeit in Istrien oder Dalmatien, streift allenfalls mal die Hauptstadt Zagreb. Recht amüsant setzt sich Marinic mit den Bemühungen des Tourismusministeriums auseinander. Anrührend sind ihre Menschenschilderungen, auch oder gerade, wenn sie kroatische Künstler ins Visier nimmt. - Man kann an der Art der Darstellung ablesen, dass sich die Autorin zwiespältig gegenüber den kulturellen Leistungen des Landes und dem Selbstverständnis der Einwohner verhält. Aber vielleicht steckt darin gerade eine Grundhaltung der Kroaten, die immer im Machtdreieck zwischen der habsburgischen Donaumonarchie, dem Osmanischen Reich und den Handelsposten Venedigs lebten und sich gegen deren Ansprüche innerlich verteidigten oder sie umschifften. - Eine leicht lesbare Lektüre, auch um das neue EU-Mitglied und seine Menschen besser kennenzulernen.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Gebrauchsanweisung für Kroatien
Jagoda Marinic
Piper (2013)
238 S. : Kt.
fest geb.