Die Bibliothek der guten Taten
Das einstige Herrenhaus "La Malouinière" in Saint-Malo wird zum Zufluchtsort unterschiedlichster Charaktere. Wäre die junge Pariser Autorin Lucie nach einem Schicksalsschlag nicht aus ihrem Leben ausgebrochen und in das Haus ihrer Großeltern gezogen,
wären sich diese Menschen niemals so nahegekommen; Léonard, der belesene, eloquente, aber meist etwas mürrische ehemalige Bibliothekar, Camille, die begabte, aber ziellose 19-Jährige und Vivianne, die gescheiterte Buchhändlerin. Obwohl Lucie selbst in einem psychischen Tief steckt und ihre eigenen Ängste nicht überwinden kann, ist sie offen für die Not anderer. Sie bietet dem Witwer Léonard, der sein eigenes Haus räumen muss, Camille, die teilweise auf der Straße lebt, und Vivianne, die aufgrund psychischer und finanzieller Probleme nicht allein zurechtkommt, ein Dach über dem Kopf und eine Nische zur persönlichen Entfaltung. Das Zusammenleben muss einige Fallstricke überwinden, doch findet sich immer jemand, der alles wieder in eine positive Richtung führt. Auch Lucies Mutter Annick und die Bäckerin Amandine tragen als Randfiguren zur Lösung der Probleme der Hauptcharaktere bei. Viele Episoden des Romans begleitet der Duft bretonischer und anderer französischer Köstlichkeiten sowie das Rascheln und der Inhalt klassischer und moderner Literatur. Nicht nur die Protagonisten entwickeln sich, auch La Malouinière, das am Ende als Conceptstore zur Bibliothèque des Bienheureux wird: ein Ort der Gaumen- und Lesefreuden. – Ein leicht lesbarer, aber durchaus gehaltvoller Roman mit vielen humorvollen Situationen und verbalen Schlagabtauschen, gespickt mit literarischen und einfachen Lebensweisheiten. Für jeden Bestand sehr gut geeignet.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Bibliothek der guten Taten
Cali Keys ; aus dem Französischen von Monika Buchgeister
Piper (2024)
445 Seiten
kt.