Spiegel-Spiel
Es ist so eine Sache mit den Träumen, wenn man sie erzählt. Kommt Tiefenschwindel dabei heraus oder eine spannende Story? Christoph Andreas Marx ist als Autor historischer Romane gewieft genug, um das Potenzial von "Inception" und "Matrix" zu erkennen:
das existenzielle und religiöse Gewicht der Frage, ob wir sind, was wir träumen, oder ob es eine scharfe Grenze gibt zwischen Einbildung und Realität, Spiel und Faktum. Am Beispiel eines normalen digitalen Immigranten wird dies veranschaulicht. Mark (der Held) leidet an Verfolgungsträumen. Seine Freundin Mira ist spurlos verschwunden, hat aber einen rätselhaften Brief hinterlassen, in dem von Wächtern und Wandlung, von Eingeweihten und von Gott die Rede ist. Also macht sich Mark auf die Suche, in Berlin und in seinen Träumen. Wie hängt beides zusammen? Die Geschichte nimmt einige unverhoffte Wendungen, doch nach allen 'twist and turns' ist das Ende eher unbefriedigend. Zu simpel ist das Strickmuster, zu holzhammerartig ist die Philosophie dieses Romans, in dem die Figuren "Alles gut" sagen und Computerspiele über das platonische Höhlengleichnis entwerfen. Da helfen auch die klugen Erörterungen über die neurowissenschaftlichen Möglichkeiten, Träume lesbar zu machen, nicht wirklich weiter. Die Story enttäuscht. Da haben Patrick Roth oder Thomas Glavinic bessere Traum-Romane geschrieben. Für größere Bestände.
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Spiegel-Spiel
Christoph Andreas Marx
Alber (2017)
254 S.
fest geb.