HHhH
Während seiner Zeit in Bratislava, wo der Autor und Ich-Erzähler als Französischlehrer beschäftigt ist, erfährt Laurent Binet Einzelheiten über das Attentat auf SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich. Als er bei einem Spaziergang durch Prag
an der Krypta einer Kirche eine Gedenktafel für die beiden Widerstandskämpfer entdeckt, ist sein Interesse an deren Geschichte endgültig geweckt. Der Autor verfolgt die Spuren der Nationalsozialisten von Hitler über Himmler und Goebbels bis zu Göring, erzählt von der Vorgeschichte der deutschen Kriegsbestrebungen, v.a. vom Münchner Abkommen, und schreibt darüber in Form einer fiktiven Dokumentation, in deren Mittelpunkt die Analyse der Karriere Reinhard Heydrichs, des Organisators der Wannsee-Konferenz, auf der die "Endlösung der Judenfrage" vorbereitet wurde, steht - von der Entlassung aus der Reichsmarine wegen einer Affäre mit einer Frau über seinen Aufstieg in der SS bis zur Ernennung als "Stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren". Als Heydrich in Prag residiert und dort ein Schreckensregiment errichtet, plant die tschechoslowakische Exilregierung in London unter Edvard Benes ein Attentat auf ihn. - Laurent Binets Roman "HHhH" (Himmlers Hirn heißt Heydrich) stützt sich auf Tatsachen, der Autor dichtet aber immer wieder hinzu, wenn es der Erzählung nützlich ist. Er weist den Leser sogar darauf hin, wenn er fehlende historische Fakten rekonstruiert oder durch Erfundenes ersetzt hat. Mit dieser Mischung von historischer Authentizität und Fiktion gelingt ihm ein brillantes Porträt Reinhard Heydrichs, eine faszinierende Charakterisierung der Attentäter Jozef Gabcik und Jan Kubis und eine packende und bewegende Schilderung der Grausamkeiten des Dritten Reichs inklusive der Erhellung der Frage, wie das alles passieren konnte. Ein unter die Haut gehender, beeindruckender Roman, sehr empfehlenswert. (Übers.: Maleya Gerhardt)
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
HHhH
Laurent Binet
Rowohlt (2011)
444 S.
fest geb.