Kein Land für alte Männer
Vietnamveteran Llewelyn Moss, von Beruf Schweißer, findet in der texanischen Wüste drei zerschossene Geländewagen, in dem drei Tote sitzen. Aus einer Tüte rieselt Heroin. Moss folgt einer Blutspur und findet noch eine Leiche, die einen Koffer mit
2,4 Millionen Dollar umklammert. Obwohl er weiß, dass irgendjemand nach dem Drogengeld suchen wird, kann er der Anziehungskraft des Geldes nicht widerstehen. Er nimmt den Koffer mit, kehrt aber in der Nacht zurück, um seine Spuren zu verwischen. Dort warten die Gangster auf ihn. Zwar kann er entkommen, doch nun jagen ihn rivalisierende Banden. Vor allem den Psychopathen Chigurh, einen furchteinflößenden Berufskiller, kann er nicht abschütteln. Beiden, sowohl Moss als auch Chigurh, ist der alternde Provinzsheriff Bell auf der Spur. Der Weltkriegsveteran, der zum ersten Mal als Sheriff mit einem Gewaltverbrechen konfrontiert wird, ist allerdings mit dem blutrünstigen Gemetzel völlig überfordert. Die brutalen Morde, der zunehmende Drogenhandel und weit verbreitete Respektlosigkeit sind für ihn Anzeichen dafür, dass seine Welt innerhalb weniger Jahre eine ihm unverständliche Welt geworden ist. - McCarthys grandioser Roman, dessen Verfilmung mit vier Oscars ausgezeichnet wurde, führt zutiefst in die Abgründe menschlicher Bosheit und zieht den Leser sofort in seinen Bann. In seinem typischen, meisterhaften Erzählstil, beschreibt der Autor detailliert, mit knappen Dialogen und distanzierter Sprache drei Männer im weiten Land der USA und wirft dabei eindringlich grundlegende Fragen auf, die diese Menschen bewegen. Der radikale Kulturpessimismus des vielfach ausgezeichneten US-Autors und die philosophischen Fragestellungen, mit denen sich seine Helden herumschlagen, erzeugen eine Hoffnungslosigkeit, die eine starke Sehnsucht nach einer anderen, menschlicheren Welt weckt. Sehr empfehlenswert. (Übers.: Nikolaus Stingl)
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Kein Land für alte Männer
Cormac McCarthy
Rowohlt (2008)
283 S.
fest geb.