Der Hund
Finanzromane nach dem Ende der Finanzkrise sind in, Tom McCarthy schreibt sie, Anna Katharina Hahn auch. Der aus Cork stammende, jetzt in New York lebende Ex-Anwalt Joseph O'Neill hat einen Roman über den Informationskapitalismus und die unheilige
Allianz von Finanzmarkt und Politik geschrieben. Er schickt seinen Helden, Wirtschaftsanwalt auch er, in die Wüste: nach Dubai. Dort soll er im Dienste einer steinreichen libanesischen Dynastie deren Finanzgeschäfte regeln. Besser gesagt: er sollte sie schützen, denn von den Bewegungen des Geldes hat er in seinem Luxuswohnturm so wenig Ahnung wie von den arabischen Traditionen. Ihm bleiben Callgirls, Tiefseetauchgänge und vollautomatische Massagen - er ist wahrlich auf den Hund gekommen (ein arabisches Wort für "Prügelknabe"). Leider gelingt es O'Neill jedoch nicht richtig, von der Farbe des Geldes spannend zu erzählen. So dümpelt der Roman kapitelweise vor sich hin und lässt den Leser ziemlich ratlos vor den moralischen Ruinen und "Souveränitätseffekten" (Joseph Vogl) eines entfesselten, kryptopolitischen Finanzmarktes stehen. Schade! Für den Man Booker-Prize 2015 nominiert, von Nikolaus Stingl trocken aus dem Englischen übersetzt, allenfalls für sehr große Bestände.
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Hund
Joseph O'Neill
Rowohlt (2016)
314 S.
fest geb.