Das große Leuchten
Beim Schachspielen mit seinem Freund Robert im Wald sieht Rupert Ana zum ersten Mal und ist von ihr fasziniert. Bald darauf hauen die beiden ab, mit von der Tankstelle geklautem Geld und Proviant. Sie ziehen zunächst in einen verlassenen Wohnwagen,
später in ein leer stehendes Haus. Rupert träumt davon, mit Ana in einer richtigen Wohnung eine Familie zu gründen. Doch plötzlich ist Ana weg. - An diesem Punkt setzt der Roman ein, der im Folgenden beide Zeitebenen ineinanderflicht: In Anas zurückgelassenem Rucksack findet Rupert eine Adresse im Iran, wo Anas Mutter angeblich als Kommunistin im Untergrund lebt. Kurz entschlossen fliegen Rupert und Robert nach Teheran, wo sie an verschiedene Kontaktmänner weitergereicht werden. - Mit einem neugierigen und zugleich naiven Blick nimmt der Ich-Erzähler die Welt wahr. Dabei bedient er sich eines interessanten Verfahrens der Wahrnehmungssteigerung: möglichst lange nicht zu blinzeln. Diese autosuggestive Methode wendet er immer dann an, wenn er sich in einer gefährlichen Lage befindet. Dadurch werden auch in der Geschichte die Grenzen realistischen Erzählens durchbrochen, weil man nicht immer sagen kann, ob Rupert eine Szene nur halluziniert. - Der witzig und temporeich erzählte Debütroman des 1983 geborenen Autors war auch für den Bachmann-Preis 2012 nominiert. - Allen Büchereien gerne empfohlen.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Das große Leuchten
Andreas Stichmann
Rowohlt (2012)
235 S.
fest geb.