Jojo
Der Radiologe Martin Montag trägt eine schreckliche Kindheitserinnerung in sich. Als er als Sechsjähriger auf dem Nach-Hause-Weg von der Schule war, traf er in einem Park auf einen Mann mit einem Jojo. Der Mann missbrauchte ihn und drohte Martin,
ihn umzubringen. Viele Jahre später kommt der Täter zu ihm, mit einem Krebsgeschwür an seiner Speiseröhre. Ein Geschwür in Form eines Jojos. Könnte dies eine Möglichkeit sein, sich an dem Mann zu rächen? Zur gleichen Zeit trifft Martin auf den französischen Clochard Martin, der ebenfalls schwer erkrankt ist. Mit Martin verbindet ihn mehr als nur der Vorname. Es ist eine Art Seelenverwandtschaft. - Die isländische Autorin Steinunn Sigurdardóttir erzählt ihre eigentlich düstere Geschichte in einer poetisch-humorvollen Sprache, die an die nachdenkliche Leichtigkeit von Kurt Tucholsky erinnert. Immer wieder tauchen Charaktere auf, die mit ihrem Lebensmut und ihrer Zuversicht Licht in die düstere Welt bringen, in der die Hauptfigur, Martin Montag, mehr und mehr versinkt. (Übers.: Coletta Bürling)
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Jojo
Steinunn Sigurdardóttir
Rowohlt (2014)
185 S.
fest geb.