Bis zum Ende der Welt
Nach dem Tod ihrer Großmutter bleibt der ukrainischen Studentin Anna nur noch ihr stets betrunkener Vater. Um ihm zu entfliehen, kommt sie durch die Anzeige einer Partnervermittlung nach Berlin zu Gerhard Laska. Dieser entpuppt sich als ein älterer
Hobby-Astronom, der nicht mehr lange zu leben hat. Er nimmt sie mit in sein Ferienhaus in Portugal, wo sie gemeinsam nach einem noch unbekannten Kometen suchen. - Norbert Zähringer wählt eine interessante Perspektive für seine mäandernde Geschichte über das Leben, seine Sehnsüchte und den Tod. Während er in dem Erzählstrang über Anna und Laska weitgehend einen Kamerablick walten lässt, schaltet er im fünften Kapitel unvermittelt einen Ich-Erzähler in Form des portugiesischen Polizisten Yuri Fernao Gouveia ein, den der Fund eines abgetrennten Fingers beschäftigt. Dieser spontane Wechsel erschafft eine Spannung erzeugende Leerstelle, die der Leser mit eigenen Assoziationen zu schließen versucht. Wichtiger als der Krimi-Plot sind in der verschachtelten Geschichte aber die vielen Rückblicke, welche die Figuren vor dem historischen Hintergrund von Tschernobyl, Sputnikflug oder Fukushima zeigt. - Allen Büchereien gerne empfohlen.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Bis zum Ende der Welt
Norbert Zähringer
Rowohlt (2012)
270 S.
fest geb.