"Grenzen akzeptieren wir nicht!"
Umes Arunagirinathan, geb. 1978 auf Sri Lanka, Herzchirurg, Hindu, und Peggy Parnass, geb. 1927 in Hamburg, NS-Zeitzeugin, Friedens-Aktivistin, Jüdin, trennen 51 Lebensjahre. Sie werden beide mit 12 Jahren von ihren Müttern auf abenteuerliche Weise
in die Fremde geschickt, um dem sicheren Tod zu entgehen. Umes flieht 1990 während des Bürgerkriegs auf Sri Lanka nach Deutschland zu seinem Onkel und ist 8 Monate unterwegs. Peggy flieht 1939 mit einem Kindertransport nach Schweden, während ihre Eltern im KZ umkommen. Beide haben bereits in den Medien und durch eigene Veröffentlichungen von ihren Schicksalen berichtet, die nun in diesem gemeinsamen Buch in Relation zueinander gesetzt werden. Peggys Historie wird von ihrem Partner auf Basis zahlreicher Gespräche und Zitate aus ihren Büchern wiedergegeben, wobei der kritische Blick auf die NS-Prozesse hervorzuheben ist. Sie starb im März 2025 kurz vor der Veröffentlichung. – Die Besonderheit dieses Buchs ist dessen Aktualität vor dem Hintergrund gegenwärtiger Asyl- und Flüchtlingspolitik. Dasselbe unermessliche Leid, Angst, Verzweiflung, Heimatlosigkeit, Rassismus, Diskriminierung, und ebenso wieder Hilflosigkeit, Unwissen, Vorurteile oder auch Unwille derer, die Entscheidungen treffen. Geschichte, die sich wiederholt. Kurze Kapitel, klare prägnante Sprache. Breit empfohlen.
Barbara Riedl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
"Grenzen akzeptieren wir nicht!"
Umes Arunagirinathan, Peggy Parnass ; aufgezeichnet von Doris Mendlewitsch
rowohlt POLARIS (2025)
126 Seiten
kt.