Sandberg

Plattenbausiedlung in der Bergbaustadt Walbrzych; Männer, die untertage hart arbeiten; Männer, die viel trinken, und ihre Frauen, die vom Wunderland BEErDe träumen. Zusammengewürfelt als Folge des Zweiten Weltkriegs und der Umsiedlung von Polen Sandberg aus der Sowjetunion. Die dunkelhaarige Dominika ist durch ihr Aussehen eine Außenseiterin in diesem Konglomerat. Halt geben dem Schulmädchen ihre Großmütter, während die Mutter Dominikas Lebensweg so plant, wie es ihr unerfüllter Traum gewesen ist. Die großen wie die kleinen sind ihr zerplatzt: der Gatte, der immer fremder wird und immer mehr trinkt; die Schwiegermutter, die sie bekämpft; der Regenschauer, der die kunstvollen Locken des Kommunionkindes Dominica auflöst, bis das Zuckerwasser in den Nacken fließt. Das Mädchen wehrt sich auf seine Weise, verweigert sich den Rollenschablonen, bis ihre mathematische Begabung entdeckt wird. Wieder etwas, das sie ihrer Mutter noch fremder macht. - Bunt, prall und manchmal sogar drastisch sind die Milieuschilderungen der Autorin. Nicht die Spur des vor 1990 geforderten sozialistischen Realismus ist zu ahnen, obwohl die Protagonisten ganz real in ihrer Welt verankert sind. Angefangen vom Wortschatz bis zum bigotten Festhalten an den dünnen Fädchen, die sie mit ihrer ländlichen Herkunft noch verknüpfen. Weder eine Spur der Überhöhung des Arbeitermilieus noch die Verachtung für die Provinzialität sind zu finden. - Für Leser/innen, die nicht nur Entspannungslektüre suchen, lesenswert. (Übers.: Esther Kinsky)

Pauline Lindner

Pauline Lindner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Sandberg

Sandberg

Joanna Bator
Suhrkamp (2011)

492 S.
fest geb.

MedienNr.: 344775
ISBN 978-3-518-42222-9
9783518422229
ca. 26,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.