Die Erfindung der Kindheit
Der Ich-Erzähler ist 9 Jahre alt, als am 3. März 1985 Santiago de Chile von einem Erdbeben erschüttert wird. Der Vorort von Santiago, Maipú, in dem der Junge lebt, bleibt verschont, sodass das Leben ungestört weitergeht. Auch über die Gräueltaten
der Diktatur schweigen sich die Eltern aus. Eine Ahnung von der Welt, in der er lebt, erhält der Junge nur dadurch, dass seine Freunde "Testament machen" spielen. Für die brenzlige Situation im Land wird er spätestens dadurch sensibilisiert, als das etwas ältere Nachbarmädchen ihn beauftragt, deren Onkel zu beschatten. Eines Tages verschwindet plötzlich deren gesamte Familie. - Der erwachsene Ich-Erzähler erinnert sich in Versatzstücken an seine Eindrücke aus der Pinochet-Ära, die er als Kind erlebte. Gekonnt stellt Alejandro Zambra dar, wie schwer es fällt, sich an die Kindheit in einer Militärdiktatur zu erinnern und mit dieser Zeit auseinanderzusetzen. Der interessante Plot erschließt sich dem Leser spannend in einer leicht verständlichen Sprache voller Andeutungen. (Übers.: Susanne Lange)
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Erfindung der Kindheit
Alejandro Zambra
Suhrkamp (2012)
165 S.
fest geb.