Unter Freunden
"Die Einsamen sind die einzigen, die rechnen können", heißt es in einem Gedicht von Amoz Oz. Einsam inmitten des fiktiven Kibbuz Jikhat sind auch die Figuren in dem neuen Erzählungsband des 1939 in Jerusalem geborenen, 1954 in einen Kibbuz eingetretenen
Autors. Einsamkeit und Sehnsucht sind nicht die besten Ratgeber in einem Kollektiv, aber gute Stofflieferanten. So unspektakulär der Alltag des Gärtners Zvi Provisor ist, der nicht aufhört, aktuelle Katastrophenmeldungen zu verkünden, so unerotisch der Nachtdienst von Joav Karbi ist, der eine von ihrem Mann enttäuschte Frau im Kibbuzsekretariat einquartiert, so einfühlsam sind diese Geschichten erzählt. Amos Oz ist ein geduldiger Erzähler, der seinen Figuren zugeneigt ist und den Leser viel mit ihnen über die "elementaren Dinge" nachdenken lässt: über Einsamkeit, Sehnsucht, Tod, Liebe und Leidenschaft. Von eigenen Erinnerungen geprägte Alltagslebensgeschichten des israelischen Friedenspreisträgers aus dem Kibbuz, allen Beständen empfohlen. (Übers.: Mirjam Pressler)
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Unter Freunden
Amos Oz
Suhrkamp (2013)
215 S.
fest geb.