Spanische Barmherzigkeit
Der israelische Regisseur Jair Moses, gut siebzig Jahre alt, wird von einem Filminstitut in Santiago de Compostela zu einer Retrospektive seiner frühen Filme eingeladen und soll anschließend einen Preis bekommen. Die Konfrontation mit seinen ersten
Filmen führt zu einer Auseinandersetzung mit seiner eigenen Geschichte, verstärkt durch ein Gemälde in seinem Hotelzimmer, das eine Szene zeigt, die er aus einem Film herausgeschnitten hatte, weil seine Hauptdarstellerin sich weigerte, sie zu spielen: Sie sollte einem Bettler am Straßenrand die Brust geben - eine Anspielung auf ein Bildmotiv der Renaissance "Römische Barmherzigkeit". Diese Entscheidung führte zum Bruch mit seinem ersten Drehbuchautor. Zurück in Israel, setzt er die Retrospektive fort, indem er die alten Drehorte aufsucht und auch den Autor, mit dem er endlich Frieden schließen möchte. Doch der verlangt einen symbolträchtigen Preis für die Versöhnung. Abraham Jehoschua hat seinen Roman kunstvoll komponiert und erzählt in poetischen Sätzen einen großen "Film im Roman" über Filmkunst, Liebe und Freundschaft und über den Staat Israel. Für literarisch interessierte Leser gern empfohlen. (Übers.: Markus Lemke)
Gudrun Eckl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Spanische Barmherzigkeit
Abraham B. Jehoschua
Suhrkamp (2013)
474 S
fest geb.