Der Trost des Nachthimmels
Omar Khayyam findet in der Betrachtung des Nachthimmels mehr Freude als im Zusammensein mit den Menschen. Die einzigen Ausnahmen sind der Sufi Abu Zaid, der mit seinen Aussagen überall aneckt, doch dessen Worte pure Weisheit sind, sowie seine Frau
Sukayna, die er bei der Aufklärung eines Mordfalls kennenlernt. Durch seine Stellung als Hofastronom geht Omar im Haus der Mächtigen ein und aus und muss miterleben, wie der ehrgeizige Hassan-i Sabbah, der Begründer der Sekte der Assassinen, zur großen Gefahr für das Reich wird. Da der Wesir den Sultan nicht von der Notwendigkeit der Gründung eines Nachrichtendienstes überzeugen kann, bleiben Hassans Machenschaften undurchsichtig und sein Aufstieg ist letztlich nicht mehr zu bremsen. Auch Sukayna wird Opfer des neuen Terrorismus, und so bleibt Omar allein und enttäuscht zurück. In seinen letzten Jahre begleitet ihn ein junger Bosnier, der das Leben des großen persischen Gelehrten schließlich aufschreibt. - Karahasan lässt in seinem großartigen Roman einen Erzähler namens Juso Podzan Livnjak die längst vergangene Welt des Seldschukenreiches (das sich u.a. über Teile der heutigen Staaten Irak, Iran, Syrien und Türkei erstreckte) im 11./12. Jh. rekonstruieren, die in ihrer Bedrohtheit der heutigen ähnelt. Ein literarisches Meisterwerk! (Übers.: Katharina Wolf-Grießhaber)
Martina Häusler
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Trost des Nachthimmels
Dzevad Karahasan
Suhrkamp (2016)
722 S.
fest geb.