Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen
Die Hauptfiguren: Jo, die um Posten in ganz verschiedenen Organisationen zur Verbesserung der Welt kämpft; ihr Mann Jivan, Abkömmling einer südamerikanischen Macho-Sippe mit Hang zu Glücksspiel, Geilheit und Eifersucht; Roanna Debenham, 19 Jahre
und auf der Suche nach ihrer Lebensaufgabe in Buenes Aires mittelos gestrandet; die Genforscher Natalie und Jakob Oppenheim; No und Jule, die an einem einsamen Strand das Leben neu erfinden wollen, aber alle Klischees mitgenommen haben; jede Menge große und kleine Organisationen und ihre Bosse. Und eine neu entdeckte Insel, die die einen als neues Paradies, die anderen als Rohstoffquelle nutzen wollen. In der nahen Zukunft agieren die Protagonisten in einem Umfeld, das sich in eine sinnlose Sinnsuche gestürzt hat. Die absurdesten Ideen werden diskutiert und auch in seltsamen bis unethischen Aktionen umgesetzt. Ein Schiffsunglück nach Art der Titanic führt die Überlebenden wieder in eine durchschnittliche "zivilisierte" Lebensweise zurück. - Schon das erste Kapitel ist ein ironischer Lesegenuss, wie man höchst besondere Essensgewohnheiten zelebrieren kann. Über Massenbegeisterung durch "Hohlsprech" und emotionsgeladene Phrasen kann man zwischendurch einiges erfahren, über abgehobenen Universitätsbetrieb und skrupellose Wissenschaftler ebenfalls. Allerdings braucht es schon einiges an Beharrungsvermögen, den unterschiedlichen Handlungssträngen zu folgen, auch wenn die Szenen durch Kapitelüberschriften und unterschiedliche Schrifttypen voneinander abgehoben wird. Für größere Bestände.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen
Emma Braslavsky
Suhrkamp (2016)
460 S.
fest geb.