Die Überwindung der Schwerkraft
Der dritte Roman des Schweizer Schriftstellers Heinz Helle führt in die Nachtwelt der Erinnerung. Auslöser der Handlung ist der Tod der zweiten Hauptfigur, des älteren Bruders des Ich-Erzählers, was diesem die lange und aufwendige Reminiszenz an
eine nächtliche Kneipentour in München abnötigt. Aus dem Nebel von Alkohol und Nikotin kristallisiert sich in diesem Erinnerungsmonolog so etwas wie ein globales Requiem heraus. Darin spielen die Kriegsvergangenheit der Eltern und Großväter, Geschichten von Mord und Kindesmissbrauch in Europa ebenso eine Rolle wie amerikanische Weltallbesiedlungspläne, Batman-Filme und das UN-Kinderhilfswerk. Und das alles in einem durchlaufenden Text, ohne Absätze, assoziativ gegliedert, was einen eigentümlichen Sog erzeugt, in den der Leser unweigerlich gezogen wird. Für größere Bestände.
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Überwindung der Schwerkraft
Heinz Helle
Suhrkamp (2018)
200 S.
fest geb.