An der Grasnarbe
Noa leidet unter Angstattacken, besonders wenn sie in der Enge der Pariser U-Bahn überall Attentäter vermutet. Sie nimmt sich deshalb eine Auszeit auf einem südfranzösischen Bauernhof, wo Gregor und Ella mit ihrer 11-jährigen Tochter Jade Schafe
züchten und ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse in einem Hofladen verkaufen. Gregor erzählt ihr, dass auch ihm ein Kontextwechsel geholfen habe, als ihn die Arbeit an der Uni zwischen Korrekturen und Seminarvorbereitungen müde und antriebslos gemacht hatte. Ella und Jade sind anfangs verschlossener, doch nach einigen Wochen Arbeit mit der Herde und im Feld gesteht Noa Ella ihre Angstattacken ein und freundet sich mit Jade an. Ein Besucher aus der Gegend erzählt, er werde im Sommer an der großen Herdenwanderung teilnehmen, bei der mehrere Herden gemeinsam über die Berge geführt werden, eine Landschaftsschutzmaßnahme, um die Bergwiesen von größerem Bewuchs freizuhalten. Noa überlegt, ob sie nicht mitziehen soll. - Der Debütroman der 1996 geborenen Autorin Mirjam Wittig macht die südfranzösische Landschaft visuell sinnlich erfassbar, thematisiert aber auch ihre Romantisierung als idyllische Projektionsfläche. Sehr gerne empfohlen.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
An der Grasnarbe
Mirjam Wittig
Suhrkamp (2022)
191 Seiten
fest geb.