Von allgemeiner Gültigkeit
Es ist ein skurriler Fall, dem die unter Erfolgsdruck stehende englische Journalistin Hannah nachgeht: Auf einem Landgut in Nordengland wurde in einer Kommune ein junger Mann von einem Kumpel mit einem Goldbarren fast totgeschlagen. Sie macht sich
an die Recherchen, denn ein aufsehenerregender Bericht wäre das einzig Richtige, was ihre ins Wanken geratene Karriere jetzt bessern könnte. Der Goldbarren und das Landgut gehören einem korrupten Banker. Der Verletzte und der Täter zu einer Gruppe Umweltaktivisten, die das leerstehende Landhaus besetzt hatten. Die Mutter des Täters ist eine Zeitungskolumnistin, die sich gegen die Woke-Bewegung eingeschossen hat. Hannah hat Erfolg mit ihrer Story: Je mehr sie zutage fördert, desto mehr enthüllt sie von den prekären Zuständen der englischen Gesellschaft: Eine kleine saturierte Mittelschicht interessiert sich nicht für das Schicksal des Landes, junge Idealisten wollen etwas ändern, entlarven sich aber als Utopisten, die Gesellschaft fällt immer mehr auseinander. – Mit einer knackigen Schreibe und einer außergewöhnlichen Story legt die Autorin geschickt die Finger in die Wunden der kranken Gegenwartsgesellschaft Englands, mit viel Biss und kräftiger Ironie. Dieser knappe, aber ungemein spritzige Roman hat etwas. Und das ist auch für Nicht-Engländer durchaus lesenswert.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Von allgemeiner Gültigkeit
Natasha Brown ; aus dem Englischen von Eva Bonné
Suhrkamp (2025)
158 Seiten
fest geb.