Wo der Name wohnt
Eine lebenslange Aufgabe scheint es für diese junge Frau, ihrer eigenen Identität und Herkunft nachzuspüren. Sie durchforstet akribisch alle Dokumente, Fotos und Erinnerungsstücke ihrer Eltern, Großeltern und weiteren Vorfahren, die ihr in die
Finger kommen, ja sie sucht sogar sehnsüchtig danach. Unwiederbringlich festhalten möchte sie all das, was ihr ganz persönliches immaterielles Erbe ausmacht, um sich selbst besser zu verstehen. Ihre Eltern und Großeltern sind in den siebziger Jahren von Riga nach Berlin gekommen, um sich ein anderes Leben aufzubauen. Nur bruchstückhaft gelingt der Ich-Erzählerin eine Rekonstruktion des "Früher", von dem sie als Kind lange glaubte, dies sei der Name eines fremden Landes. Zwischen den Kapiteln wird klar, dass sie gerne den Nachnamen der inzwischen verstorbenen Großeltern annehmen würde, um die Geschichte der Familie am Leben zu erhalten. Das deutsche Namensrecht unterliegt jedoch Regularien, die die Erfüllung dieses Wunsches unmöglich machen. – Ein autobiografischer Roman einer jungen Nachwuchsautorin, die mit einer sehr sensiblen, teilweise melancholisch-sentimentalen Sprache den eigenen Wurzeln nachspürt und mit ihrem Werk ein persönliches Memorandum setzt.
Elisabeth Brendel
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wo der Name wohnt
Ricarda Messner
Suhrkamp (2025)
169 Seiten
fest geb.