Das Blaue vom Himmel

Wir können die Erderwärmung aufhalten, wenn wir auf das Blaue des Himmels verzichten. Mit diesem Szenario eröffnet Magdalena Schrefel ihr empfehlenswertes Romandebüt, das gekonnt zwischen Climate-Fiction, Kunstbetrachtung und Familiengeschichte Das Blaue vom Himmel changiert. Indem Schwefel- und Kalkpartikel in regelmäßigen Abständen in die Stratosphäre ausgebracht werden, lässt sich die Sonneneinstrahlung dauerhaft regulieren. Doch durch die geänderte Zusammensetzung der Atmosphäre wird das Blau des Himmels „einem milchigen Grau, einem weißeren Licht weichen“. Eine groß angelegte Kunstausstellung in Wien, an der die Ich-Erzählerin Hannah als Assistenz mitarbeitet, soll in Bildern, Fotos, Collagen, Filmen oder Installationen die kollektive Erinnerung an den Blauen Planeten bewahren. Die von ihr bei der Recherche geführten Interviews über die unterschiedlichen Blautöne des Himmels werden nicht selten zu assoziativen Erzählungen über Verluste, Abschiede und Leerstellen im Leben der Befragten, zu denen auch Hannahs Schwester Vera und ihr Vater Jacob gehören. Hier kreisen die Gespräche um die Abwesenheit der Mutter, die die Familie bereits vor Jahren verlassen hat. In leisen, melancholischen Tönen fängt der Text die diffusen Erinnerungen ein, über die lange geschwiegen wurde. – Eine nachdenkliche Lektüre für alle, die Freude an feinsinniger, formbewusster Sprache und literarischer Reflexion haben.

Slávka Rude-Porubská

Slávka Rude-Porubská

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Das Blaue vom Himmel

Das Blaue vom Himmel

Magdalena Schrefel
Suhrkamp (2026)

267 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 755563
ISBN 978-3-518-43259-4
9783518432594
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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