Staffellauf
Der relativ kurze Roman ist in zwei Teile aufgeteilt. Der erste Teil widmet sich der aufstrebenden Künstlerin Bernadette. In den 1960er Jahren kommt ein Mann namens Karl Staffelstein in ihr Atelier und weicht ihr fortan nicht mehr von der Seite. Der
weitere Fortgang der Handlung ist ziemlich tragisch, aber gleichzeitig so urkomisch erzählt, dass man hin- und hergerissen ist zwischen Lachen und Weinen. Denn Bernadette kann mit dem Mann eigentlich nichts anfangen, und doch kommt es schließlich dazu, dass die beiden heiraten und eine Familie gründen. Sie schafft es einfach nicht, den richtigen Moment oder den Mut zu finden, ihre Bedürfnisse klar auszudrücken und sich zu befreien. Im zweiten Teil wiederholt sich das Kernthema bei ihrem Sohn Jakob, dem von mehreren Seiten eine akademische Karriere aufgezwängt wird, die aber nicht seiner Berufung entspricht. Durch immer absurdere Wendungen wird er quasi in eine Professur hineinkatapultiert. Erst ein kompletter gesundheitlicher Zusammenbruch führt dazu, dass er die Stelle nicht antritt und sich zukünftig von allen Universitäten fernhält. Er schlägt einen steinigen, aber letztlich erfolgreichen Weg als Schriftsteller ein. – Ein tragisch-komisches Büchlein, das sicher nicht die breite Masse anspricht, aber für Fans der anspruchsvollen Literatur durchaus empfehlenswert ist.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Staffellauf
Joachim Zelter
KrönerEditionKlöpfer (2024)
182 Seiten
fest geb.