Matria
Elias lebt mit seiner vor dem gewalttätigen Vater geflohenen Mutter in Matria, einer Stadt, in der alle Frauen in ähnlicher Situation Zuflucht finden. Streng abgeschirmt von männlichen Übergriffen haben die Frauen ein Refugium geschaffen, in denen
sie angstfrei leben können. Die Kehrseite dieser Ordnung ist jedoch Kontrolle, vor allem über die männlichen Bewohner; denn aus den mitgebrachten Kindern werden junge Männer und Frauen. Wichtige Frage ist, ob Aggression auch in diesen jungen Männern steckt und ob sie genetisch bedingt ist. Um das Aggressionspotential zu testen, müssen alle jungen Männer zu Beginn ihrer Pubertät in einem Camp sich verschiedenen Tests unterziehen. Elias steht gerade vor seinem Aufenthalt in einem der Camps und berichtet als Icherzähler darüber. Ein weiteres Thema ist die Verteidigung Matrias, für die eine Art Wehrpflicht besteht. Auch ein Thema ist die Liebe. Während die Handlung durch diese Themen vorangetrieben wird, ist das Hauptanliegen des Romans, den Ursprüngen von Aggression und anderen Emotionen nachzugehen in philosophisch anmutenden Überlegungen. Es sind diese Gedankenspiele, die den Reiz des Buches ausmachen, auch wenn die Handlung teilweise etwas sperrig und konstruiert wirkt.
Lotte Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Matria
Tobias Elsäßer
Thienemann (2026)
239 Seiten
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 14