Wie ein Splitter im Mosaik
Normalerweise spielt Lioba auf der Kirchenorgel Bach, wenn ihr Leben aus den Fugen zu geraten droht und sie die Menschen um sich herum nicht mehr versteht. Doch mit einem Mal lässt selbst Bach die Fünfzehnjährige im Stich, als sowohl ihre Familie
als auch ihr bester Freund Florin Steine aus dem Mosaikbild ihres Lebens lösen. Endlich, denkt Lioba, hat sie sich in einen Jungen namens Hendrik verliebt, doch anstatt sich für sie zu freuen, reagiert Florin abweisend. Ihre Mutter, die während der Schwangerschaft mit Liobas jüngerer Schwester Martha vom Vater der beiden verlassen wurde, lässt sich auf eine erneute Beziehung mit ihm ein - ausgerechnet mit diesem Mann, dem Frauenheld, dessen sporadische Ansätze von Väterlichkeit in Liobas Augen nur geheuchelt scheinen. Das Verhalten ihrer Großmutter Helene, die unter schwerer Demenz leidet, ist für Lioba unerträglich, v.a. als die alte Dame den von ihr geliebten Wellensittich tötet. Verzweifelt versucht die Jugendliche ihr Leben zu ordnen, indem sie ihre Gedanken aufschreibt, auch durch Auseinandersetzungen mit ihrer Mutter und E-Mails mit Hendrik, der sie letztendlich wieder mit ihrer Großmutter zusammenführt. Nach und nach findet Lioba weitere Puzzlestücke, Mosaiksteine, die ihr Bild von ihren Eltern und von Florin völlig neu entstehen und endlich einen Sinn in deren Handlungen und Einstellungen erkennen lassen. - Ein einfühlsamer Jugendroman, der die Wahrnehmung der Protagonistin, die ihr Leben aus verwirrenden, unverständlichen Einzelbausteinen bestehend sieht, sehr lebendig vermittelt. Dazu tragen auch die verschiedenen Einschübe bei, die Schlüsselszenen aus Liobas Kindheit darstellen. Sehr zu empfehlen für junge (weibliche) Erwachsene.
Marlene Knörr
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wie ein Splitter im Mosaik
Nikola Huppertz
Gabriel (2012)
263 S.
fest geb.