Blutrote Lilien
Noch vor wenigen Wochen saß die 15-jährige Charlotte in einer Kutsche auf dem Weg aus dem ländlichen Chantilly zum Louvre, wo sie ihren Verlobten, den Marquis de Bassompierre, wiedersehen und am Königshof debütieren sollte. Auf schreckliche Weise
hat sich dies nun alles geändert: Ihren Verlobten hat sie in flagranti mit einer Magd im Bett erwischt, der König deckt seine amourösen Abenteuer und Charlotte wird zum Gespött des ganzen Hofes. Hatte sie sich zunächst von ihrer besten, jedoch protestantischen Freundin Sophie Hilfe erwartet, muss sie schon bald feststellen, dass Protestanten bei Hofe keinesfalls gern gesehen sind, und selbst ihr Bruder Henri hat sich während seines Dienstes im Schloss verändert, wurde kalt und abweisend. Unerwartet jedoch erweckt Charlotte das Interesse des Königs, dank ihres treuen Falken, ihrem einzigen noch loyalem Freund, den sie bei sich weiß. Doch je mehr sie in der Gunst des Königs steigt, ja sogar den verhassten Bassompierre loswerden und dem Wunsch ihres Herzens näherkommen kann, desto tiefer verstrickt sie sich in all die Intrigen und Fallen, die sich immer enger um sie schnüren ... - Feinfühlig-romantisch und im flüssigen Plauderton entführt Kathleen Weise den Leser ins Frankreich um 1609, zu einer Zeit, als die Religionskriege gerade beendet waren. Lebhaft und detailreich schildert sie aus Sicht der 15-Jährigen, unerfahrenen Protagonistin das Leben am Hofe, ihre anfängliche Naivität ob all der Pracht im Louvre und ihre zunehmende Reifung zu einer jungen Frau, die weiß, was sie will. Obwohl manche Szenen stark zum Kitsch und Romanzenstereotypen tendieren, schafft die liebenswürdige Heldin es doch, die Leselust wachzuhalten und dabei zugleich etwas Geschichtswissen zu transportieren - eine leichte, unbeschwerte Lektüre, mit allerdings unbefriedigendem Ende für alle 13-jährigen Romantiker.
Sonja Schmid
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Blutrote Lilien
Kathleen Weise
Planet Girl (2011)
326 S.
fest geb.