Dünne Wände
Ein von Gentrifizierung bedrohter Apartmentkomplex in Harlem ist der Schauplatz in Sidik Fofanas Debütroman „Dünne Wände“, ein heruntergekommener Ort, an dem nur Schwarze leben. Acht Mieter:innen erheben in den lose miteinander verbundenen Erzählungen
ihre Stimmen. Da ist Mimi, die kellnert und nebenbei Haare flicht. Und da ist Swan, der Vater ihres Kindes, der mit seinen Kumpels den chinesischen Lieferdienst abzockt. Und Verena Dallas, Swans Mutter, die neben ihrem Flughafenjob auch noch in der Schule als Betreuung arbeitet und aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung den Junglehrer:innen einiges voraushat (hier scheint auf humorvolle Weise durch, dass der Autor auch Lehrer ist). Ein Rap in Hip-Hop- Versen führt in das Buch ein. Die einzelnen Geschichten werden von umgangssprachlichen Stimmen getragen, in der ersten Person, mit einer Ausnahme: Mimi verwendet in der ersten Story die zweite Person, spricht also die Leser:innen direkt an und gibt ihnen Anweisungen, was sie tun sollen, wenn auch sie einen Brief mit einem Zahlungsziel für die Mieterhöhung bekommen. – Die Geschichten erzählen humorvoll und authentisch vom Ringen um das Dasein in sich verändernden Zeiten.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Dünne Wände
Sidik Fofana ; aus dem Englischen von Jens Friebe
claassen (2024)
247 Seiten
fest geb.