Sehnsucht nach Mill River
Keiner weiß wirklich etwas über die alte Frau, die oben auf dem Hügel von Mills River lebt. Erst als sie stirbt, erfahren die Leute im Dorf von der Sozialphobie, die Mary zeit ihres Lebens von der Dorfgemeinschaft getrennt hatte. Was die Bewohner
jedoch nicht wissen: Jede Woche kam Pastor Thomas zu ihr und erzählte ihr von dem Treiben im Dorf und der Welt. Was sie selbst alles durchleiden musste und warum sie eine Augenklappe trug, das können die Dorfbewohner erst bei der gemeinsamen Testamentsverlesung verstehen, bei der für sie alle noch weitere Überraschungen warten. - Ein liebevoller Roman über das Leben einer Frau, die in einer Zeit lebte, in der Sozialphobie nur als "seltsam" abgetan und nicht weiter behandelt wurde. Darcie Chan zeichnet ein plastisches Bild von einer verängstigten, jedoch starken Frau, deren Geschichte immer wieder von den aktuellen Geschehnissen im Dorf durchbrochen wird. Diese sind bisweilen übliche Liebes- und Familiengeschichten und wenig überraschend, doch der Wechsel zwischen Vergangenheit und heute, zwischen den Problemen der einzelnen Bewohner und dem Leben Marys machen das Buch zu einer spannenden, einfühlsamen Lektüre. (Übers.: Marion Balkenhol, Susanne Aeckerle)
Sonja Schmid
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Sehnsucht nach Mill River
Darcie Chan
Marion von Schröder (2013)
397 S.
fest geb.