Hairy queen
Die junge, in Köln geborene Autorin hat nach gründlicher Recherche eine 283 Seiten lange Fleißarbeit verfasst. Darin teilt sie uns auf gut lesbare, unterhaltsame Art durch Verknüpfung persönlicher Erfahrungen mit gesellschaftspolitischen, sozialen
und theoretischen Aspekten mit, was die Art der Körperbehaarung mit Kulturgeschichte, Kolonialismus, Herkunft, Religion, Macht, Ansehen und Sexus zu tun hat. Koohestanis persönlicher Kampf mit ihrer eigenen Körper- und Gesichtsbehaarung lässt sie zunächst kapitalistisch konsumgeprägt und dem geltenden Schönheitsideal hörig auf den eigenen Körper blicken, sie malträtiert ihn mit schmerzhafter Enthaarung bis zur Uniformität. Rhetorisch gelungen ist in Kapitel 5 die Schau "über den eigenen Tellerrand", die zu interessanten Beobachtungen führt, um den Einfluss des Bartes auf Diskriminierungs- und Rassismus-Erfahrungen zu messen. Quintessenz ist die Selbsternennung zur "Hairy Queen", die das Sagen hat, und zur Akzeptanz haariger Vielfalt. - Die Thematik erinnert an die Selbstporträts der mexikanischen Malerin Frida Kahlo. Für größere Bestände.
Gudrun Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Hairy queen
Franziska Setare Koohestani
Ullstein (2024)
283 Seiten
kt.