Behind the news
Aufklären über die Arbeitsweise der deutschen Medien, das ist das Anliegen der Journalistin Mary Abdelaziz-Ditzow. Ihre Kernthesen lauten: Keiner im Gewerbe hat „Achtung vor der Wahrheit“. Wirtschaftliche Zwänge wie Klickzahlen oder Reichweiten
treiben Themenauswahl und „Framing“ der Nachrichten. Zudem sei eine distanzierte, sachliche Berichterstattung aufgrund der jedem Menschen eigenen Subjektivität gar nicht möglich. In einem eigenen Kapitel geht die Autorin scharf mit der aus ihrer Sicht allzu israelfreundlichen Berichterstattung deutscher Medien ins Gericht. Abdelaziz-Dikow ist keine Nestbeschmutzerin. Ihr Engagement wirkt ehrlich, ihre detaillierten Einsichten ins Tagesgeschäft der Redaktionen zeigen dem Leser Spannungsfelder und Zielkonflikte nachvollziehbar auf. Nach der Lektüre versteht man als durchschnittlicher Medienkonsument das Nachrichtengeschäft in all seinen Formen jedenfalls besser. Und lernt einige Techniken der „Meinungsmache“ in den Medien kennen. Das vertrauliche Duzen des Lesers und ein teilweise salopper Tonfall der Autorin deuten auf eine jüngere Leserschaft als Adressaten hin. Die Sympathien für die palästinische bzw. arabische Seite im Nahost-Konflikt mag der Biografie der Autorin geschuldet sein; die Härte ihres Urteils über Grundzüge der Politik Israels ist sicher diskussionswürdig. Als Einstieg in das Thema Medienkompetenz geeignet.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Behind the news
Mary Abdelaziz-Ditzow
Ullstein (2026)
330 Seiten : Illustrationen
kt.