Hitlers erster Krieg
Der Historiker Th. Weber überprüft anhand neu ausgewerteter Quellen die Rolle Hitlers im 1. Weltkrieg sowie den Einfluss dieses Krieges auf dessen politische Entwicklung und die bereits ab 1920 einsetzende Mythisierung seiner soldatischen Erfahrung.
Dabei wird die Prägung Hitlers durch seine Kriegserlebnisse - meist aus den Berichten seiner Kameraden und späterer Parteigenossen, durch Selbstaussagen und auch aus den Aufzeichnungen seines Regiments gefolgert - neu gedeutet. Durch die sorgfältige Überprüfung der Geschichte des Regiments "List", der Einheit Hitlers, insbesondere durch das Vergleichen mehrerer Quellen (Briefe, Tagebücher, Gefechtsberichte) erarbeitet der Autor ein neues differenziertes Bild des Weltkriegsgefreiten. Nach Webers umfangreichen Forschungen ist Hitler nicht der tapfere Frontsoldat mit reicher Kampferprobung gewesen, sondern nur einer der Meldegänger, weit hinter der Front. Trotz eigenwilliger und zugespitzt formulierter Ansichten (z. B. Gründe für Hitlers Radikalisierung, Definition der "Weimarer Brutalität") stellt das breit angelegte, gut lesbare Buch einen wichtigen Beitrag zur Hitlerforschung dar. - Für kritische, geschichtlich interessierte Leser sehr zu empfehlen!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Hitlers erster Krieg
Thomas Weber
Propyläen (2011)
585 S. : Ill., graph. Darst.
fest geb.