Stasi-Kinder
Auf der Basis ausführlicher Interviews und fundierter Recherchen wird das Leben von 13 Kindern geschildert, deren Väter - z.T. auch deren Mütter - in der ehemaligen DDR für die Stasi gearbeitet haben. Es macht betroffen zu sehen, wie die Erfahrungen
von damals noch immer präsent sind, wie staatliche Disziplinierung und Terrorisierung prägenden Einfluss auf die Lebensgestaltung jedes Einzelnen hatten und wie das Vertrauen innerhalb der Familie in Misstrauen umschlug. Da heute viele die DDR und ihr totalitäres System als überwundene Geschichte abtun, kommt diesen ehrlichen, authentischen Zeugnissen, den quälenden, meist unverarbeiteten Erinnerungen eine wichtige Funktion zu, da sie gegen das Vergessen, insbesondere gegen die sich breitmachende Verharmlosung dieses autoritären Überwachungsstaates aufbegehren. So unterschiedlich die Tätigkeit der Eltern (Spitzel, Agenten, Mitarbeiter in der Verwaltung) und die Wahrnehmung, Ausübung, Annahme oder Verweigerung des Drucks, der auf allen lastete, auch waren, aus allen Beispielen wird deutlich, wie schwer es alle Kinder hatten, einen natürlichen, vertrauensvollen Umgang in der Familie und mit Freunden zu entwickeln, und wie stark sie noch heute unter den Folgen des Stasi-Terrors leiden. - Absolut zu empfehlen!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Stasi-Kinder
Ruth Hoffmann
Propyläen (2012)
317, [16] S. : Ill.
fest geb.