Ausgesoffen
Bekannt wurde Bernd Thränhardt vor allem mit einem Film über Boris Becker, den er in den achtziger Jahren ein Jahr lang um die Welt begleitete. Damals war Thränhardt ein erfolgreicher Produzent von Filmreportagen, der Projekte für die verschiedensten
Sender entwickelte und umsetzte. In seiner Autobiografie schildert Thränhardt, Bruder des Hochspringers Carlo Thränhardt, seinen Aufstieg vom ziellosen Studenten zum Mitglied der Kölner High Society. Sexuelle Exzesse, Alkohol und Koks wurden mehr und mehr zu bestimmenden Elementen seines Lebens, bis er sich Ende der neunziger Jahre langsam eingestehen musste alkohol- und drogenabhängig zu sein. Schonungslos schildert Thränhardt seinen langsamen materiellen und körperlichen Ruin, wobei er auch die Ursachen, die eigenen Unsicherheiten und Ängste, offen anspricht. Dabei versucht er auch die Faszination zu vermitteln, die ein exzessiver Lebensstil damals auf ihn hatte. Heute ist Bernd Thränhardt seit vielen Jahren 'trocken' und hilft auf verschiedenste Weise anderen Betroffenen, den Weg aus der Sucht zu finden.
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Ausgesoffen
Bernd Thränhardt mit Jörg Böckem
Ullstein (2013)
299 S.
fest geb.