Honeydew
Der Kurzgeschichtenband der mit Preisen ausgezeichneten Autorin enthält 21 sehr unterschiedliche Erzählungen. Acht von ihnen sind im fiktionalen Godolphin, einem Vorort von Boston angesiedelt. Sie handeln von zarten Begegnungen, außerehelichen Affären
und alter Liebe, oder stellen Objekte von besonderer Schönheit in den Mittelpunkt. So wird dem Antiquitätenladen "Forget Me Not" eines Tages eine kuriose Statue zum Verkauf angeboten, die einst über einer Liebesaffäre gewacht hatte, wie die ältliche Verkäuferin sagt. Es deutet sich an, dass ein verspätetes Wiedersehen möglich sein könnte. Andere Geschichten handeln von sich verschiebenden Wahrheiten oder von Metamorphosen. In der Titelgeschichte "Honeydew" bestellt die Schuldirektorin die Eltern der besten Schülerin wegen deren Magersucht ein. Der Vater reagiert verständnisvoll: "Sie möchte zu einem Insekt werden und von Luft leben ... und hier und da ein Tropfen Nektar. Sie glaubt ..., sie hätte als Insekt auf die Welt kommen sollen" (S. 299). - Der Ton der Erzählungen ist schwebend. Vieles wird nur angedeutet, lässt Raum für eigene Schlüsse. Andererseits gibt es ironische Wendungen und interessante Perspektivwechsel. - Der Band ist Freunden der kurzen Form sehr zu empfehlen. (Übers.: Susanne Höbel)
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Honeydew
Edith Pearlman
Ullstein (2015)
313 S.
fest geb.