Der Mann, der einen Baum fällte und alles über Holz lernte
Robert Penn ist Journalist und Holzliebhaber. Besonders die Esche hat es ihm angetan. Er will alles über ihre charakteristischen Eigenschaften herausfinden, also Zellstruktur, Spaltbarkeit, Elastizität und Formbarkeit. Dafür sucht er sich "seinen
Baum", den er fällen lassen wird, um ihn danach komplett zu verwerten. Doch vorher rät man ihm, er solle auf den Baum steigen, um sich mit ihm verbunden zu fühlen. Bevor es ans Fällen geht, bittet er die Esche noch verschämt um Erlaubnis. Im Folgenden erfährt der Leser viel über altes Holzhandwerk, über Bogen- und Pfeilmacher, Köhler, Drechsler und Stellmacher. Der Autor holt dabei weit aus bis in die nordische Mythologie und zu Homers Ilias. Räumlich bewegt er sich vom heimatlichen Wales bis nach Österreich zu den Schlittenmachern von Mattrei und in die USA zu den Schlägerherstellern für den amerikanischen Nationalsport Baseball. Das Ganze ist gut lesbar, auch wegen der biografischen Einsprengsel. So erfährt man, dass das Eschenprojekt dem Autor auch dazu diente, seiner milden Depression entgegenzuwirken. Und wenn Robert Penn beschreibt, wie er genussvoll über glattgeschliffene Oberflächen streicht, überträgt sich seine Liebe zum Holz auch auf die Leser. - Gerne allen Büchereien empfohlen. (Übers.: Ulrike Kretschmer)
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Mann, der einen Baum fällte und alles über Holz lernte
Robert Penn
Ullstein (2016)
264 S.
fest geb.