Haus für eine Person

Als Rosas Mutter unerwartet stirbt und ihr ein kleines Erbe hinterlässt, trennt sich die junge Frau von ihrem Freund, kündigt den ungeliebten Job und zieht in einen kleinen isolierten Bungalow aus DDR-Zeiten. Ohne Internet, Fernsehen und menschlichen Haus für eine Person Kontakt verliert sie sich in ihren depressiven Gedanken, philosophiert über die moderne Gesellschaft und über die Möglichkeit des Glücks. Immer wieder überwältigt sie das Leben, alles erscheint ihr unglaublich schwer, im Billig-Einkaufszentrum um die Ecke oder im Gespräch mit der Nachbarin. Dann bewahrheitet sich ihre größte Furcht: sie ist schwanger, vom Ex-Freund oder der kurzen Affäre mit dem Makler. Kann sie ein Kind in diese Welt setzen, die ihr selbst derartig abweisend erscheint? In der die alten Nachbarn die Bomben des Zweiten Weltkriegs erlebt haben und ihre Enkel sich zwischen Zeitdruck, Materialismus und Computern selbst verlieren? - In vier Kapiteln beschreibt die Autorin jeweils einen Tag im Leben der Protagonistin, in verschiedenen Stufen der Schwangerschaft. Dabei entsteht durch Rosas Isolation und ihren schwermütigen, manchmal panischen, zugleich intelligenten Blick auf die Welt eine Atmosphäre mit Sogwirkung, die den Leser tief in ihre Gedanken eintauchen lässt. Zu empfehlen.

Marlene Knörr

Marlene Knörr

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Haus für eine Person

Haus für eine Person

Barbara Kenneweg
Ullstein (2017)

222 S.
fest geb.

MedienNr.: 589272
ISBN 978-3-550-08177-4
9783550081774
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.