Weil der Krieg unsere Seelen frisst
Einfühlsam, behutsam und vorurteilsfrei schildert Hilke Lorenz das Schicksal von sieben Familien, die alle geprägt sind von dem Leid, das sie als Kinder während der letzten Kriegsjahre erfuhren. Es ist aber nicht nur die Angst und Hilflosigkeit
derer, die den Krieg hautnah miterlebten, die betroffen macht, sondern gerade die Tatsache, dass sich diese bitteren Erfahrungen auf die nachfolgenden Generationen auswirkten und bis heute unbequeme Fragen aufwerfen. Die nach dem Krieg nicht gelungene Aufarbeitung (verdrängte Erinnerungen, Trauer über den Tod von Familienmitgliedern, Wissen um die eigene Schuld), auch durch den Wunsch nach Normalität und Ruhe in den Hintergrund verbannt, blieb jedoch über Jahrzehnte ein immer spürbares Trauma. Gerade jungen Leuten, für die Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg nur mehr als geschichtliche Fakten präsent sind, zeigt dieses Buch anhand sehr persönlicher Schicksale, wie brutal diese verheerende Zeit nicht nur die direkt Betroffenen aus der Bahn warf, sondern auch die Nachgeborenen schwer belastet. Neben einer ehrlichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit fordert die Autorin am Beispiel eines in Afghanistan stationierten Soldaten eine offene Information und Diskussion bei gegenwärtigen Kriegs- und Krisensituationen. - Ein wichtiges Buch!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Weil der Krieg unsere Seelen frisst
Hilke Lorenz
Ullstein (2012)
212 S. : Ill.
fest geb.