Der Nachtzirkus
Zwei mächtige Magier treffen sich 1884, um ihre Kräfte zu messen. Doch anstatt sich direkt zu duellieren, beschließen sie, zwei Schüler großzuziehen, um sie eines Tages gegeneinander antreten zu lassen. Bühne für dieses Spielchen ist ein mysteriöser
Wanderzirkus, der nur nachts seine Pforten öffnet und in dem allerhand Zauberhaftes und Magisches die Zuschauer in seinen Bann zieht. Während die beiden Schüler hart, zum Teil sogar grausam gedrillt werden und ein Leben in der ständigen Ungewissheit führen, wann ihr Wettkampf nun eigentlich beginnt, durchdringt Zauberei und Illusion auch den Nachtzirkus und alle daran Beteiligten, sodass sich ein feines Netz zu spinnen beginnt, zwischen den Geschichten der Artisten, Wahrsagern und Künstlern und den mächtigen Magiern, was nicht nur einmal zu schicksalhaften Ereignissen und für die Außenwelt mysteriösen Vorfällen führt. - In melodiöser, atmosphärisch dichter Sprache entführt die Autorin in die Romantik des ausgehenden 19. Jh. und lässt die Bohème mit Magiern, Wahrsagerinnen und geheimnisvollen Artisten wieder aufleben. Von Beginn an schafft sie es, den Leser mit stets nur vagen Andeutungen über das Spiel und vor allem den Nachtzirkus zu fesseln und eine Stimmung zu erzeugen, die in jedem Leser den Wunsch erweckt, selbst einmal durch diesen Cirque des Rêves zu wandern. Ein ungewöhnliches, fantasievolles Buch, das sich in keine Schublade stecken lässt. (Übers.: Brigitte Jakobeit)
Sonja Schmid
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Nachtzirkus
Erin Morgenstern
Ullstein (2012)
463 S.
fest geb.