Wie ein Haus aus Karten
Das Buch handelt vom Aufstieg und dem Zerfall einer Familie in Deutschland im 20. Jh. und vom Leben einer Frau, die sich ihren Lebensweg jenseits ihrer Herkunftsfamilie hart erkämpft hat. Kristin Feireiss (Jg. 1942) ist heute eine bekannte und erfolgreiche
Architekturhistorikerin. Sie gründete die Architekturgalerie "Aedes" in Berlin, war Museumsdirektorin in Rotterdam und ist als Herausgeberin und Kuratorin tätig. Dass sie ein Mitglied der Wirtschaftswunderfamilie Neckermann ist, war lange nicht bekannt. Feireiss' Eltern, ihre Mutter war die Schwester von Josef Neckermann, ihr Vater Hans Lang Jurist und erfolgreicher Kaufmann, kamen 1948 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Die drei Töchter des tödlich verunglückten Paares wachsen als Pflegekinder im Haushalt des Versandhauskönigs Neckermann auf. Die glücklichsten Jahre ihrer Kindheit verbringt Kristin, genannt Tini, bei ihrer Großmutter Neckermann in Würzburg, mit der sie eine symbiotische, liebevolle Beziehung verbindet. In ihrem autobiografischen Buch setzt sich Kristin Feireiss auch mit den Geschäften ihres Vaters und ihres Pflegevaters auseinander, die sich beide im Dritten Reich an Arisierungen bereichert hatten und Zwangsarbeiter beschäftigten. - Sehr lesenswert als Psychogramm einer Familie und als Zeitdokument. Ab mittleren Beständen.
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wie ein Haus aus Karten
Kristin Feireiss
Ullstein (2012)
343, [16] S. : Ill.
fest geb.