Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen
Regina ist Mutter zweier heranwachsender Töchter, desillusionierte Ehefrau, Psychologin mit eigener Praxis und trauert ihrer unvollendeten Dissertation hinterher. Im Spagat zwischen all diesen Rollen, die sie, angetrieben von unausgesprochenen Erwartungen,
perfekt zu erfüllen versucht, baut sie gegenüber ihren eigenen Kindern ähnliche Erwartungshaltungen auf. Die beiden Töchter gehen aufgrund ihrer Charaktere völlig unterschiedlich damit um und sind doch beide im Grunde, wie Regina auch, nur auf der Suche nach Anerkennung und Liebe. Über einen Zeitraum von zwanzig Jahren wird die Mutter-Töchter-Beziehung dieser Konstellation beleuchtet – vom Abitur der beiden jungen Frauen über die Geburt der Enkelkinder bis hin zu Reginas Lebensabend. Die Komplexität und Authentizität der Charaktere bilden das Kernstück dieses Romans, der verdeutlicht: Es sind keine einfachen Abläufe, die ein familiäres Zusammenleben bestimmen, und Eltern können die Entwicklung ihrer Kinder nur bis zu einem gewissen Grad willentlich beeinflussen. Letztendlich sind wir alle geprägt von unseren eigenen Erfahrungen und selbst gutgemeinte Handlungen lösen beim Gegenüber nicht immer das aus, was vielleicht beabsichtigt war. – Ein Roman, der sich aus Mutter- und Tochterperspektive gleichzeitig schmerzlich und tröstlich liest, weil er uns unsere menschlichen Grenzen genauso wie die meist nicht offensichtlichen Gemeinsamkeiten vor Augen führt.
Elisabeth Brendel
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen
Anna Brüggemann
Ullstein (2024)
382 Seiten
fest geb.