Sind Flüsse Lebewesen?
Seit einigen Jahren haben die verstärkten Bemühungen um den Gewässerschutz rund um den Globus auch zu einzelnen Initiativen geführt, Flüsse nicht mehr als bloße Gegenstände zu sehen, sondern diese als Rechtssubjekte aufzufassen. Diese positive
Entwicklung wird durch die animistische Vorstellung, diesen Teil der unbelebten Natur als Lebewesen anzusehen, gestützt. Auch der britische Naturschriftsteller hegt große Sympathien für solche Gedanken. In seinem Buch erzählt er von drei Reisen zu sehr unterschiedlichen Flüssen der Welt: Im Regenwald Ecuadors ist der früh geschützte Rio Los Cedros heute wieder durch den geplanten Abbau von Rohstoffen in seinem Einzugsgebiet bedroht; die Flüsse durch die indische Metropole Chennai (früher: Madras) sind zu lebensfeindlichen Kloaken verkommen und der teils naturbelassene, aber auch zur Stromversorgung benutzte Magpie River (Mutehekau Shipu) in Ostkanada wurde von den dort lebenden indigenen Innu 2021 als erster Fluss des Landes zu einer juristischen Person erklärt. In die Reiseschilderungen mischen sich Naturbeobachtungen mit Gesprächen und Begegnungen mit einzelnen Menschen, deren Schicksale an die Flüsse gebunden sind oder die sich für deren naturhafte Existenz einsetzen. Eingerahmt werden die Erzählungen von jahres- und lebenszeitlichen Beobachtungen in einem Quellgebiet in Macfarlanes britischer Heimat. So entsteht ein engagiertes Plädoyer für den weltweiten Schutz und Erhalt der Fließgewässer. Allerdings können naturwissenschaftlich Vorgebildete ihre Zweifel an der von romantischem und animistischem Denken geprägten Herangehensweise des Autors an das Thema haben. – Dennoch wird das erfolgreiche Sachbuch sicherlich auch in Büchereien viele Lesende finden.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Sind Flüsse Lebewesen?
Robert Macfarlane ; aus dem Englischen von Frank Sievers und [einem weiteren]
Ullstein (2025)
411 Seiten : Illustrationen, Karten
fest geb.